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Benchmark10 Min. Lesezeit24. Mai 2026

Kann KI Toxizität vorhersagen? Der CovaTox-Benchmark — ehrlich gemessen

CovaTox deckt 42 ADMET-/Tox-Endpunkte in einer Suite ab. Im echten Same-Split-Same-Metric-Vergleich gegen das TDC-Leaderboard liegen wir auf den AUROC-Endpunkten im Schnitt wenige Punkte unter den besten spezialisierten Einzelmodellen — mit einer Pipeline über alles. Wir benennen die Schwachstellen offen.

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Oliver Kraft

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Kann KI Toxizität vorhersagen? Der CovaTox-Benchmark — ehrlich gemessen

Das Wichtigste in Kürze

  • CovaTox deckt 42 ADMET- und Toxizitäts-Endpunkte in einer einzigen, agenten-zugänglichen Suite ab — von Tox21 über CYP450 bis Ökotoxikologie.
  • Mittlerer Klassifikations-AUC auf dem harten Scaffold-Holdout: 0,860; 19 Endpunkte erreichen AUC ≥ 0,85.
  • Wir haben einen echten Same-Split-Same-Metric-Vergleich gegen das TDC-ADMET-Leaderboard gefahren — neu trainiert auf TDCs offiziellem Split, bewertet mit TDCs eigenem Evaluator.
  • Das Ergebnis ehrlich: CovaTox liegt auf den AUROC-Endpunkten im Schnitt wenige Punkte unter dem jeweils besten, auf einen Datensatz spezialisierten Modell — mit einem Standard-Modell über alle Endpunkte.
  • Wir benennen die Schwachstellen offen (Substrat-Endpunkte, PPBR) statt sie zu verstecken.

Die Frage hinter dem Benchmark

Toxizität und ADMET-Eigenschaften entscheiden früh über Erfolg oder Scheitern eines Wirkstoffs. Mutagenität, hERG-Kardiotoxizität, Leberschädigung, CYP450-Wechselwirkungen — wer diese Risiken erst spät erkennt, verbrennt Jahre und Budget. Die naheliegende Hoffnung: Kann ein Modell diese Eigenschaften vorhersagen, bevor man ins Labor geht?

Die ehrliche Antwort lautet: teilweise, je nach Endpunkt sehr gut und in manchen Fällen noch nicht gut genug. Genau diese differenzierte Antwort liefern wir hier — mit offen gelegten Zahlen statt eines Marketing-Versprechens.

Was CovaTox abdeckt

Der erste Wert von CovaTox liegt nicht in einer einzelnen Spitzenzahl, sondern in der Breite: 42 ADMET- und Toxizitäts-Endpunkte in einer Suite, die ein AI-Agent über einen einzigen, einheitlichen Zugang aufrufen kann.

CovaTox Leistungsüberblick: 42 ADMET-Tox-Endpunkte, mittlerer Scaffold-AUC 0,860
Fig. 1. CovaTox v1 Capability Overview. 42 Endpunkte, mittlerer Klassifikations-AUC 0,860 auf dem Scaffold-Holdout, 19 davon ≥ 0,85, 14 Same-Split-Same-Metric-Vergleiche gegen das TDC-Leaderboard.

Konkret sind das 32 Klassifikations- und 10 Regressions-Endpunkte, gruppiert in Domänen-Familien: das vollständige Tox21-Panel (12 Kernrezeptor- und Stressantwort-Ziele), das CYP450-Panel (fünf Inhibitions-Isoformen plus Substrat-Vorhersage), klassische ADME-Endpunkte (Darmabsorption, BBB, P-gp, PAMPA), Organtoxizität (DILI, hERG) und Ökotoxikologie. Der mittlere Klassifikations-AUC auf dem Scaffold-Holdout liegt bei 0,860, und 19 Endpunkte erreichen einen AUC von 0,85 oder höher.

CovaTox Klassifikations-AUROC für alle Endpunkte nach Domäne, Scaffold-Holdout
Fig. 2. Klassifikations-Abdeckung und Genauigkeit. Holdout-AUC-ROC (Scaffold-Split) für jeden Klassifikations-Endpunkt, eingefärbt nach Domänen-Familie. Mehrere Tox21- und ADME-Endpunkte über 0,9; Substrat-Endpunkte (CYP2C9-Substrat, PAMPA) bilden das untere Ende.

Für einen Agenten, der ein Sicherheitsprofil zusammenstellen soll, ist diese Breite der eigentliche Hebel: Eine einzige Anbindung deckt das ab, wofür man sonst ein gutes Dutzend einzelner, separat gepflegter Modelle bräuchte.

Der ehrliche Teil: Scaffold-Holdout, nicht Random-Split

Wie schon bei CovaSolv berichten wir die harte Zahl. Beim Random-Split landen strukturell ähnliche Moleküle in Training und Test — das Modell sieht im Test alte Bekannte, und die Werte sehen besser aus, als sie in der echten Forschung halten. Beim Scaffold-Holdout werden ganze Molekülgerüste zurückgehalten; das Modell muss auf neue Strukturklassen generalisieren.

Der Abstand zwischen beiden ist real und für jeden Endpunkt sichtbar: Bei den meisten liegt der Random-Wert über dem Scaffold-Wert, bei einigen (z. B. CYP2D6-Substrat, CYP3A4-Substrat) ist die Lücke erheblich. Wir berichten den Scaffold-Wert als Kennzahl — das ehrliche Maß dafür, wie das Modell auf neue Chemie reagiert. Ein Anbieter, der nur Random-Split-Zahlen zeigt, misst eine leichtere Aufgabe.

CovaTox Generalisierung, Scaffold- vs. Random-Split AUROC pro Endpunkt
Fig. 3. Generalisierungslücke pro Endpunkt. Random-Split (orange) gegen Scaffold-Split (blau), sortiert nach Scaffold-Wert. Auffällig: Bei den CYP-Substrat-Endpunkten und Tox21-Targets ist die Lücke deutlich; bei den CYP-Inhibitionen (CYP1A2, CYP2C19, CYP2C9, CYP3A4) ist sie nahezu null — das Modell generalisiert dort sauber.
CovaTox Regressions-Holdout RMSE, Scaffold vs. Random
Fig. 4. Regressions-Holdout. RMSE für die log-Einheiten-Regressions-Endpunkte auf Scaffold- (schwer) und Random- (leicht) Holdout. Die Lücke ist insbesondere bei BCF und Biodegradations-Halbwertszeit ausgeprägt — typisch für strukturell vielfältige Test-Sets.

Der eigentliche Lackmustest: ein echter Vergleich

Die meisten "SOTA"-Behauptungen in der Tox-Vorhersage sind nicht überprüfbar, weil sie auf unterschiedlichen Datensätzen und Splits laufen. Wir wollten einen Vergleich, der einem Reviewer standhält — und haben deshalb das Gegenteil getan: einen echten Same-Split-Same-Metric-Head-to-Head gegen das TDC-ADMET-Benchmark-Leaderboard.

Die Methodik ist bewusst streng:

  • Gleicher Split. Für die 14 ADMET-Datensätze, die auf einen CovaTox-Endpunkt abbilden, nutzen wir TDCs offiziellen Train/Test-Split.
  • Kein Leakage. CovaTox wird neu und ausschließlich auf dem offiziellen Trainings-Split trainiert (5 Seeds) — nicht das ausgelieferte Modell, dessen Trainingsdaten den TDC-Testset überlappen würden.
  • Gleiche Metrik. Bewertet von TDCs eigenem Evaluator, der je Datensatz die offizielle Metrik anwendet (AUROC, AUPRC oder MAE).
  • Zitierbare Referenz. Vergleichsbalken ist der aktuelle #1-Leaderboard-Eintrag je Datensatz.

Und jetzt das Ergebnis — ungeschönt.

CovaTox vs. TDC ADMET Leaderboard, gleicher Split gleiche Metrik, AUROC AUPRC und MAE Panels
Fig. 5. CovaTox vs. TDC-Leaderboard #1, gleicher Split, gleiche Metrik. Drei Panels nach offizieller Metrik (AUROC und AUPRC: höher = besser; MAE: niedriger = besser). Fehlerbalken ±1 SD über 5 Seeds.

Was der Vergleich zeigt

Auf den AUROC-Endpunkten — den klassischen Tox/ADMET-Klassifikationen — ist CovaTox konkurrenzfähig, aber noch nicht führend. Im Schnitt liegt es rund vier AUROC-Punkte unter dem jeweils besten Modell. Bei einigen Endpunkten ist der Abstand klein:

  • Darmabsorption (HIA): CovaTox 0,981 — TDC #1 0,993 (MiniMol)
  • Leberschädigung (DILI): CovaTox 0,911 — TDC #1 0,956 (MiniMol)
  • Ames-Mutagenität: CovaTox 0,847 — TDC #1 0,871 (ZairaChem)
  • CYP3A4-Substrat: CovaTox 0,652 — TDC #1 0,667 (CFA)

Bei anderen ist er größer — hERG (0,776 vs. 0,880, MapLight+GNN) ist der deutlichste Rückstand und ein klarer Verbesserungspunkt. Auf den AUPRC-Substrat-Endpunkten (CYP2C9-/CYP2D6-Substrat) und bei der Plasmaproteinbindung (PPBR, MAE) liegt CovaTox spürbar zurück.

Der entscheidende Kontext: Die Leaderboard-Sieger sind in der Regel Modelle, die auf genau diesen einen Datensatz optimiert wurden — verschiedene Methoden gewinnen verschiedene Datensätze (MiniMol, MapLight+GNN, ZairaChem, ContextPred). CovaTox erreicht seine Werte mit einer einzigen Standard-Pipeline über alle 42 Endpunkte, ausgeliefert und über einen Agenten abrufbar. Das ist ein anderer Trade-off: nicht der Spitzenwert auf einem Datensatz, sondern verlässliche Breite in einem deploybaren System.

Die Panels im Detail

Das Tox21-Panel ist als geteilter Multi-Task-Cluster trainiert und liegt durchgängig im soliden Bereich — mehrere Ziele (SR-MMP 0,948, NR-AR-LBD 0,947, SR-p53 0,917) über 0,9 auf dem Scaffold-Split.

CovaTox Tox21-Panel, 12 Kernrezeptor- und Stressantwort-Ziele AUROC
Fig. 6. Tox21-Panel. AUC-ROC über die 12 Kernrezeptor- und Stressantwort-Ziele, als geteilter Multi-Task-Cluster trainiert. Scaffold- und Random-Holdout nebeneinander.

Das CYP450-Panel zeigt das erwartbare Muster: Die fünf Inhibitions-Isoformen sind stark (CYP2C9 0,911, CYP1A2 0,902, CYP2C19 0,901), während die Substrat-Vorhersage — eine generell schwierige Aufgabe mit wenig Daten — schwächer ausfällt. Das ist konsistent mit dem gesamten Feld und kein CovaTox-spezifisches Problem.

CovaTox CYP450-Panel, fünf Inhibitions-Isoformen plus Substrat-Vorhersage AUROC
Fig. 7. CYP450-Panel. Fünf Inhibitions-Isoformen (links, alle nahe 0,9 auf Scaffold) plus drei Substrat-Endpunkte (rechts, deutliche Scaffold-Random-Lücke). Kern des Wechselwirkungs-Screenings im Med-Chem-Alltag.

Ehrlich eingeordnet — und wohin es geht

Wir hätten aus diesen Daten eine "SOTA"-Schlagzeile machen können, indem wir Random-Split-Zahlen zeigen oder uns die günstigsten Endpunkte herauspicken. Das tun wir bewusst nicht. Der Stand ist:

  • Stark und einsatzbereit: breite ADMET-/Tox-Abdeckung, solide Scaffold-Werte auf den meisten Klassifikations-Endpunkten, in einer Suite.
  • Konkurrenzfähig: auf den AUROC-Endpunkten innerhalb weniger Punkte der besten spezialisierten Einzelmodelle — mit einem generalistischen Modell.
  • Noch nicht führend: die Substrat-Endpunkte, hERG und PPBR sind offene Verbesserungsziele für den nächsten Trainingszyklus. Wir benennen sie, statt sie zu verschweigen.

Diese Offenheit ist Absicht. Eine überprüfbare, ehrliche Zahl ist in einem regulierten Umfeld mehr wert als eine beeindruckende, die beim ersten Reviewer zerfällt. Die vollständige Endpunkt-Scorecard mit Scaffold- und Random-Werten steht unter covasyn.com/benchmark.

Selbst nachvollziehen

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Häufige Fragen

Kann KI Toxizität vorhersagen?

Für viele Endpunkte ja, mit guter Genauigkeit. CovaTox erreicht auf dem harten Scaffold-Holdout einen mittleren Klassifikations-AUC von 0,860 über 42 ADMET-/Tox-Endpunkte; einige (Darmabsorption, DILI, mehrere Tox21-Ziele) liegen über 0,9. Andere, etwa Enzym-Substrat-Vorhersagen, bleiben für das gesamte Feld schwierig.

Was ist ein guter AUROC für die Toxizitätsvorhersage?

Als Orientierung gilt ein AUROC ab rund 0,85 als stark, ab 0,9 als sehr gut — sofern er auf einem ehrlichen Split (Scaffold-Holdout) und nicht auf einem optimistischen Random-Split gemessen wurde.

Wie schneidet CovaTox gegen das TDC-Leaderboard ab?

In einem echten Same-Split-Same-Metric-Vergleich liegt CovaTox auf den AUROC-Endpunkten im Schnitt wenige Punkte unter den jeweils besten, auf einen Datensatz spezialisierten Modellen — erreicht das aber mit einer einzigen Pipeline über alle 42 Endpunkte. Substrat-Endpunkte und PPBR sind offene Verbesserungsziele.

Was ist der Unterschied zwischen Scaffold- und Random-Split bei der Tox-Vorhersage?

Beim Random-Split ähneln Testmoleküle dem Training, was die Genauigkeit überschätzt. Beim Scaffold-Split werden ganze Molekülgerüste zurückgehalten — das misst echte Generalisierung auf neue Chemie. CovaTox berichtet den Scaffold-Wert.

Deckt CovaTox ICH-M7-relevante Endpunkte ab?

Ja, Mutagenität (Ames) ist Teil der Suite und ein zentraler Baustein für die Verunreinigungs-Bewertung. Ein eigener Use-Case-Artikel dazu folgt.

Methodik & Daten

Modell: CovaTox v1 (Multi-Strategie: Standard / Cluster / Chemprop / Ensemble; TDC-Vergleich mit der Standard-Pipeline: Mordred + ToxPrint-Features, Optuna-getuntes XGBoost/LightGBM). 42 Endpunkte. Headline-Split: Scaffold-Holdout (neue Molekülgerüste), Random-Holdout als Kontext. TDC-Head-to-head: offizielle Splits der TDC ADMET Benchmark Group, 5 Seeds, bewertet via group.evaluate; Referenz ist der jeweilige #1-Leaderboard-Eintrag. Quelle: TDC ADMET Benchmark Group (tdcommons.ai/benchmark/admet_group, abgerufen 2026-05-23); Huang et al., Nat Chem Biol 18, 1033 (2022). Ausgeschlossen: algae_ec50 (degeneriert), clintox (untrainiert). Daten-Snapshot: 2026-05-23.

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